Das letzte große Abenteuer des domestizierten Sitzpinklers


Meine Höhle hat 200 qm, Fußbodenheizung und Fenster rundherum. Säbelzahntiger verirren sich eher selten ins Dachgeschoss und DHL-Männer stellen im Allgemeinen auch keine wirkliche Bedrohung dar.

Ich muss auch nicht tagelang und hunderte von Kilometern durch die Gegend streifen, wenn der Magen knurrt. Im Umkreis von 100 Metern habe ich sieben Sushi Bars, unzählige Inder, Italiener und argentinische Steak-Häuser, die so gute Chemikalien ins Fleisch spritzen, dass ich mir wirklich einbilden kann, es käme direkt vom Feuer. Was wir hier nicht haben, ist eine gescheite Dönerbude – aber das ist eine andere Geschichte.

Und wenn ich etwas Warmes neben mir auf dem Fell Bett haben möchte, dann kann ich es mir auch sparen, die große Keule herauszusuchen und sie drei Höhlen weiter zu schwingen und bis drei zu zählen. Ich muss nur das MacBook aufklappen, die Kreditkarte zücken und ich bekommen etwas vollkommen haarloses (nein, nicht auf dem Kopf) direkt vor die Türe chauffiert.

Mein Leben ist die pure, portionierte Langeweile. Ich bin kein Mann mehr. Ich habe keine wirklichen Abenteuer, keine wirklichen Aufregung mehr.

Mir bleibt nur ein allerletztes Aufbäumen übrig. Eines, an das ich mich verbittert klammern kann, direkt klammern muss.

Ich domestizierter Sitzpinkler verweigere mich einfach und beharrlich nach dem Weg zu fragen. Ich gehe sogar noch eins weiter und bringe das Navi erst gar nicht an der Scheibe an und verbanne es in den Kofferraum oder die Armlehne.

Ich bin der pure Rock’n Roll, während ich in fremden Städten für Stunden im Kreis fahre. Wer nicht ankommt, der fühlt sich frei. Wer zu spät kommt und nachtanken muss, ist ein ganzer Kerl.

Und wenn Mann gerade nirgendwo hin muss, wo Mann sich nicht auskennt, dann kann Mann immer noch ins IKEA fahren, die Pfeile gegen den Strich entlang laufen und in der Markthalle garantiert nicht um Hilfe fragen, wo Mann denn nun die Dreierpackung JÄMKA findet, die Mann der Finanzministerin mitbringen soll.

Doof ist allerdings, wenn Mann mittlerweile im Umkreis von 400 Kilometern selbst die kleinste Sackgasse kennt.

Das Ende vom Mann ist nicht die Emanzipation, ist nicht der Feminismus. Das Ende vom Mann ist, wenn die Straßen ausgehen. Das Ende ist, wenn Mann verdammt noch mal weiß, was diese blöden JÄMKA Dosen überhaupt sind …