Den Rock mit den Blicken ausschütten


Alle Jahre wieder. Das Sommerloch mit Röcken füllen, den vermeintlichen bis womöglich zukurzenen. Normalerweise ist mir das zu doof und vor allem zu warm, um mich damit auch nur eine Sekunde lang zu beschäftigen. Vermutlich bin ich aber auch einfach nur zu alt. Und wenn, dann fände ich es eh viel wichtiger, sich über Ästhetik und nicht über die Länge zu unterhalten.

Aber hey …

Jetzt ist mir dann eben aber doch die Sonnenhutschnur aus dem warmen Gesicht geschnallt.

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaiming und weitere sexistischerassistischeklassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend' (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

Hotpants, Miniröcke und was du sonst noch (nicht) anziehen darfst

Ernsthaft? Sind wir jetzt soweit, dass nur noch Eunuchen Lehrer werden dürfen? Blinde Eunuchen?

Es scheint wohl nur noch Schwarz und Weiß und vor allem Dagegen zu geben. Und wenn man so manche Aufmachungen für taktisch unklug hält, dann muss man automatisch ein Arsch sein, der Mädchen unterdrücken und ihnen die Schuld geben will.

Ja hackt es denn noch bei Euch?

Und wenn ich als Erzieher/Lehrer vor lauter Ärschen und Titten schon gar nicht mehr weiß, wo ich hinschauen soll – dann bin ich also automatisch das Problem und fehl am Platz?

Ernsthaft?

Ich soll also mal nebenbei Millionen Jahre der Evolution komplett abschalten können, nur weil wir nicht in der Lage sind Dinge beim Namen zu nennen und dazu zu stehen und weil wir nur noch in Feindbildern denken und agieren können? Weil es immer mehr Eltern gibt, die ihren Kindern ein – nennen wir es mal: eher unglückliches Selbstbild – mitgeben?

Kindern (ja, bewusst Kinder und nicht nur Mädels) mit einem halbwegs gescheiten Selbstbild wird wohl eher seltener vorgeschlagen, sich anders zu kleiden. Aber das darf man ja so nicht sagen. Und schon gar nicht als Mann, dann ist die Aufregung wieder groß.

Das Witzige (Traurige) dabei ist ja, dass diese 'Empfehlungen' seltenst vom anderen Geschlecht kommen. Frauen haben ein Problem damit, wie sich andere Frauen/Mädels kleiden. Aber auch das darf man ja auch wieder nicht laut sagen; und schon gar nicht als Mann, denn dann ist die Aufregung noch größer.

Mädels, so wird das nichts!

Aber für viele von euch bin ich ja schon wieder der Arsch, nur weil ich das so sage. Und ihr wundert euch, dass es so schleppend bis rückwärtig vorwärts geht. Vielleicht solltet ihr da noch mal drüber nachdenken, wenn es wieder etwas kühler ist …