Im Vakuum gezüchtete männliche Arschlöcher


Bevor ich mich mal wieder komplett unbeliebt mache, nur kurz vorneweg:

Ein Idiot ist ein Idiot ist ein Idiot und bleibt vermutlich auch immer ein Idiot. Ein Arschloch ist ein Arschloch ist ein Arschloch und bleibt vermutlich auch immer eines.

Nur entstehen Idioten, Arschlöcher und deren Kombination eben nicht in einem Vakuum. Oder etwa doch?

Momentan ist ja nicht nur Twitter voll mit allem Gamergate, Julien Blanc und sonstigen Volldeppen. Dazu gibt es dann noch ein paar mehr als anschauliche Videos, wie das so ist, wenn man als Frau durch die Gegend läuft.

Jetzt mischen auch die Mainstreammedien mit und wie immer, wer hätte es gedacht, geht das meistens am Eigentlichen vorbei.

Also, um genauer zu sein: Es geht mir an meinem 'Eigentlichen' vorbei; der Frage nach den Hintergründen und somit nach dem Warum.

Der Frage nach dem Wo, wo diese ganzen Volldeppen den herkommen. Denn anscheinend werden die ja auch nicht weniger und vor allem scheint es die ja in Ecken zu geben, in denen man sie ja eher nicht vermutet hat; in der überwiegend weißen Mittelschicht, um das mal ganz stark zu vereinfachen.

Diese Volldeppen mit Internetanschluss sind in Ländern zu finden, in denen es schon seit ein paar Jahrzehnten Gleichberechtigung, zumindest auf dem Papier, gibt. In Ländern, in denen Frauen für ihre Rechte auf die Straßen gegangen sind. In Ländern, in denen Männer, zumindest in der Werbung, kochen, den Abwasch machen und auch schon einmal eine Windel gewechselt haben.

Wie das nun so ist, mit Dingen, die – anscheinend – im Internet ihren Anfangen nehmen und dort auch überkochen, da kann man die als Randphänomen abtun. Da reagieren sich ein paar Deppen ab, über die man ohne Internet nie etwas hören müsste. Das sind ein paar wenige, die muss man nicht ernst nehmen.

Darin sind wir gut. Teppich hochgehoben und ganz schnell gekehrt.

Ich mache das selten – aber ab und an gehe sogar ich aus dem Internet raus und wenn man dann in der 'realen' Welt mal nachfragt, dann sind das nicht nur ein paar 14-jährige Deppen. Jede, der wenigen weiblichen Entwicklerinnen, die ich kenne, kann euch ein Lied davon singen, wie dumm sie permanent von ihren männlichen Kollegen angemacht wird.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist, wenn man man bestimmte Gegenden in der Stadt einfach meiden muss, wenn man nicht alle naselang dumm von der Seite angemacht werden will. Wobei das dann doch schon eher seltener bartragende Hipster in komischen Hosen sind, um mal bei den Stereotypen zu bleiben.

Beiden Dingen, auch Belästigungen genannt, ist aber eines gemein: Da stimmt etwas nicht mit dem Frauenbild. Da ist sich nicht nur Twitter, da sind sich auch die Massenmedien mal einig.

Aber da hört es dann auch immer schon wieder auf. Weder in werbefinanzierte Massenmedien, noch in 140 Zeichen passen Nachfragen und Hintergründe.

Und erst recht bekommt man ein Problem, wenn diese Annahme vielleicht gar nicht richtig ist.

Was, wenn das Problem gar nicht das Frauenbild ist? Was, wenn es da ein viel größeres Problem gibt?

Was, wenn es das eigene Bild ist, das nicht stimmt? Was, wenn es also das Männerbild ist, das schief hängt?

Ja, ich weiß. Aber genau das ist auch noch so ein Problem. Es ging hier nicht um Entschuldigungen oder Ausreden. Ich habe eine Frage gestellt; mehr nicht.

Auch gibt es einen Unterschied zwischen einer – möglichen – Erklärung und einer Entschuldigung oder Ausrede.

Aber – und damit wen wir wieder direkt beim Anfang – die Frage ist und bleibt doch: Wo kommen diese ganzen Volldeppen her, diese Volldeppen, die es doch eigentlich gar nicht mehr geben dürfte? Vor allem handelt es sich dabei nicht nur um diese täglichen doofen Bemerkungen oder das unschöne Sabbern beim Anblick eines tollen Arsches.

Was momentan verstärkt zum Vorschein kommt – was mir in dieser Stärke, wohl behütet und ignorant, wie ich lebe, nicht bewusst war – geht weit über mangelnde Kinderstube oder untergefickt hinaus.

Was da, diese öffentlichen Aufrufe zu Vergewaltigung und Mord mal besser ganz außer Acht lassend, stellenweise in nicht geringen Mengen zum Vorschein kommt, ist schon erschreckend; um es mal Vorsichtig auszudrücken.

Wo entsteht so eine Einstellung, so es denn überhaupt eine Einstellung ist?

Angeblich entsteht ja nichts in einem Vakuum. Worin sind dann nur all diese Idioten bis Arschlöcher entstanden?

Um sie herum gab es Bildung, Wohlstand, arbeitende Mütter, Werbung mit abwaschenden Männern und Bus fahrenden Frauen.

Um sie herum gab es Mütter, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen.

Und dennoch wurden aus diesen überwiegend weißen Jungs in eher besseren Verhältnissen, in erschreckend großer Zahl, zum Teil riesige Volldeppen, die sich so verdammt schwer damit tun, dass es tatsächlich Frauen gibt, die gerne vor dem Computer hocken und in IT Firmen eben nicht nur für den Support und das Marketing zuständig sind.

Nein, die begleiten nicht ihre Freunde zu Entwicklerkonforenz, die haben sich auch nicht verlaufen. Nein, die halten dir gleich einen Vortrag, für den du ordentlich Geld bezahlt hast. Und auf der Fahrt zu der Konferenz hast du vielleicht sogar ein Spiel gespielt, an dem sie mitgearbeitet haben.

Abends, auf dem Weg zur Party, werden sie, wenn sie Pech haben und an den falschen Stellen vorbei laufen, allerdings genau so dumm von der Seite angemacht, wie die Friseuse deiner feuchten Träume sonst auch immer.

Deppen und Arschlöcher hat es schon immer gegeben und wird es ich immer geben und da werden auch alle Mütter, Erzieherinnen, Lehrerinnen, alle Frauen dieser Welt nichts dran ändern.

Aber was ist mit diesen vielen anderen Teilzeitdeppen und Selektivarschlöchern?

Jenen, die aus 'gutem' Haus kommen, sich im Supermarkt an der Kasse benehmen können und sich abends Videos anschauen, wie man Frauen am besten gegen ihren Willen abschleppt.

Was ist bei denen bloß schief gelaufen?

Augenscheinlich nicht im Vakuum aufgewachsen, eine 'Bildung' genossen und genügend Frauen um sich herum gehabt und dennoch versagen sie dann, wenn es drauf ankommt, in einem der entscheidendsten Punkte, die unser Zusammenleben ausmachen; der Interaktion mit dem anderen Geschlecht, im Umgang mit Frauen.

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem unbequemen Fenster und behaupte ganz dreist, dass diese Deppen bis Arschlöcher sehr wohl in einem Vakuum herangezüchtet werden. In einem von uns allen geschaffenem Vakuum und wir alle lassen sie dort drin aufwachsen.

Und ja, somit auch von euch Frauen.

Luft holen, nicht gleich der Emma schreiben und kurz innehalten. Danke.

Nochmal: Es geht nicht darum, irgendwelche Volldeppen in Schutz zu nehmen. Es geht nicht darum, Arschlochverhalten zu rechtfertigen und nein, auch wenn es sich vielleicht so anhören mag: Es geht nicht um Schuld.

Es geht um Verständnis. Und damit sind wir direkt beim Kern der Sache angekommen, zumindest sehe ich dies so.

Erst, wenn ich etwas verstehe, kann ich etwas tun. Erst, wenn ich verstehe, was ich tue, kann ich mein Verhalten ändern. Erst, wenn ich verstehe, was mein Gegenüber eigentlich von mir will, kann ich darauf reagieren. Erst, wenn ich mich ernst genommen fühle, kann ich mein Gegenüber verstehen. Und meinem Gegenüber geht dies genau so.

All diese Dinge sind eigentlich Selbstverständlichkeiten und sollten vorausgesetzt werden, so fundamental nötig sind sie.

Und wie wir alle wissen, ist dem leider nicht so. Wie war das noch mal mit dem Teppich hocheben?

Vor allem sind diese fundamentalen Dinge ja auch erst einmal vollkommen unabhängig davon, welches Geschlecht mein Gegenüber hat.

Aber sie werden noch so unendlich viel wichtiger, wenn es um unser Balzverhalten geht.

Und das trifft leider so oft auf so dermaßen großes Unverständnis und Unwissen; zum Leidwesen von uns Jungs bis Männern ist das nur nicht wirklich gerecht verteilt.

Ja, es ist ein Klischee und es ist es doch zu Recht: Wir wissen schlicht und einfach die allermeiste Zeit nicht, was ihr von uns wollt; gerade beim Heranwachsen.

Mal ist es richtig, mal ist es falsch, mal muss es dazwischen sein und oft ist es falsch, es sei denn, es macht der Richtige.

Ja danke auch!

Im Ernst: Natürlich sind wir nicht alle komplette Geisterfahrer und natürlich sind wir auch praktisch bildbar und nein, es geht hier immer noch nicht (und nur um das auch vorwegzunehmen, es wird es auch nie) um faule Ausreden oder Entschuldigungen für Fehlverhalten.

Ich kann nichts dazu sagen, wie das ist als Mädel und später als Frau mit uns Deppen aufzuwachsen. Ich kann nur etwas – und das dann auch noch komplett einseitig – dazu sagen, wie das ist, mit euch aufzuwachsen und mit euch zu leben und selbst als halbwegs gebildeter, halbwegs sensibler Schwanzträger auch heute noch täglich vor dem Wunder Frau zu stehen.

Und so schwer mir auch diese Worte über die Tastatur kommen:

Wir müssen reden! Wir haben Nachholbedarf!

Wir wachsen nämlich auch heute noch sehr wohl in einem Vakuum auf; zumindest in einem Teilvakuum voller Rätsel. Dies alleine macht uns natürlich nicht zu Volldeppen und Widerlingen. Es trägt aber dazu bei.

Ja! Tut es!

Mir geht es nur gar nicht um diese kompletten Vollhonks. Petz' mal einem Ochs ins Horn, wie eine ehemalige Chefin von mir immer zu sagen pflegte.

Mir geht es um den Rest. Mir geht es um Morgen und die Jungs, die auch heute noch, jetzt in diesem Augenblick, im Vakuum aufwachsen.

Die, die von Müttern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen umgeben aufwachsen und aus denen trotzdem wieder Arschlöcher werden können.

Und dann gibt es da noch die ganz vielen, die sich im Umgang mit euch nicht zum kompletten Volldeppen machen – aber dennoch nicht wirklich immer wissen, woran sie eigentlich sind.

Wäre es nicht schön, wir alle hätten mehr Verständnis, mehr Wissen?

Was hätte ich schon vor Jahrzehnten die besseren Beziehungen haben können, wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich mir über Jahrzehnte zusammenreimen musste und was ich mühsam von euch lernen konnte und durfte.

Und ja, das zählt natürlich auch für den Sex. Und nein, ich meine damit nicht nur Beziehungen-Beziehungen mit Zahnbürste und Haaren im Abfluss. Ich meine damit alles. Von Freundschaften bis hin zu Arbeitsdingen. Von Chefin, Kolleginnen bis Praktikantinnen und dem nächsten Flirt.

Und was wäre das so toll, wenn ich heute schon wüsste, was ich noch so alles die nächsten Jahrzehnte über und von euch lernen muss und darf.

Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wäre das nicht toll, wenn ihr nicht permanent den Kopf über uns schütteln müsstet? Wenn ihr euch häufiger verstanden fühlen und wissen könntet, weil euch tatsächlich mal ein Mann versteht?

Plump, flach, stereotypisch und all die anderen Dinge, ich weiß. Und dennoch so dermaßen nah dran und so wahr, dass es fast schon weh tut.

Wenn ich mit zwölf im Freibad vom 10-Meter-Turm direkt vor euch ins Wasser platsche und euch ganz nass mache, dann quietscht ihr und spielt die Entrüsteten; setzt euch aber immer wieder dahin.

Ein paar Jahre später ist so ein Verhalten dann auf einmal falsch. Es sei denn, ich habe das passende Aussehen oder Konto.

Und nein, so schnell werden wir nicht erwachsen. Und ja, dies ist ein äußerst flaches Beispiel. Aber so wunderbar übertragbar.

Und ja, ich weiß. Dünnes Eis. Aber genau auf dem läuft Mann so oft. Und zu oft ohne jemanden an der Hand. Ich bin aufgewachsen, ohne mit jemanden über solche Dinge reden zu können. Wir tun uns heute noch so verdammt schwer damit.

Aber wir müssen es können. Das haben wir verstanden. Das wird von uns erwartet. Und zuhören. Und machen. Und dann wieder nicht machen und dann die Situation erkennen, wann was richtig ist und wann was falsch ist.

Und das in einem Umfeld, in dem das mit der Gleichberechtigung noch jung ist, die Frauen immer noch zum größten Teil in Frauenberufen arbeiten, viel weniger verdienen und selbst wenn die Kindergärtnerin sagt, dass Jungs das dürfen, die Reaktion deines Umfelds auf dein Weinen eine ganze andere ist. Nur, um mal weiter bei den plumpen und dennoch so zutreffenden Beispielen zu bleiben.

Wo sollen denn die Feinheiten, die nicht so plumpen Dinge herkommen, wenn die einfachsten schon so verwirrend sind. Vermutlich genau so verwirrend, wie diese ganzen Widersprüche, mit denen ihr auch immer noch aufwachsen müsst.

Es mag naiv sein, es mag nicht immer zutreffend sein – aber ich unterstelle einfach mal, dass es einfacher ist, wenn man jemanden hat, mit dem man darüber reden kann. Das habt ihr uns leider immer noch viel zu häufig voraus.

Auch heutzutage und gerade in unserer ach so aufgeklärten, westlichen und eher einfarbigen Welt, da ist so oft immer noch niemand da, mit dem man als Junge und auch als Mann über solche Dinge reden kann.

Wie viele Alleinerziehende Mütter gibt es? Wie viele männliche Wesen gibt es in Kindergärten und Grundschulen wirklich, auch wenn es ein klein wenig besser geworden ist?

Und auch wenn man es nicht laut sagen sollte und ich mir das jetzt als ehemalige Kindergärtnerin einfach herausnehme, diese wenigen Männer sind wichtig – aber nicht wirklich der representative Männerquerschnitt.

Es hilft mir auch nicht, wenn mein Kindergärtner etwas zu mir sagt und meine Umwelt mir ganz deutlich zu verstehen gibt, dass da was nicht dran stimmen kann.

Ja, ich rede von Vorbildern und Rollenverständnis. Ich bin immer noch bei den ganz flachen und grundlegenden Dingen und ich werde auch bei denen bleiben.

Weil es an genau diesen Dingen liegt, auch wenn wir da gerne allesamt den Teppich hochheben und kehren, was das Zeug hält.

Und diese Dinge summieren sich. Ich hatte das Glück, zu den richtigen Zeitpunkten, tolle Mädels und tolle Frauen um mich herum zu haben, die nicht nur Verständnis mir gegenüber aufgebracht haben, sondern mir auch geholfen haben, selber zu verstehen.

Und nein, dies ist keine Selbstverständlichkeit und nein, nicht jeder hat das Glück. Wenn ich so um mich schaue, dann sind das immer noch viel zu wenige auf beiden Seiten.

Heute, auf dem Papier und im Vorstellungsgespräch, der Öffentlichkeit, da kann ich so tun, als ob ich wüsste, was einem Mann ausmacht und was sein Rollenverständnis sein sollte. Ich weiß, was von mir angeblich verlangt und erwartet wird. Nur hat das auch heute noch nicht wirklich etwas mit dem zu tun, was ich fühle, was ich oft will und vor allem nichts mit dem zu tun, was wir an Widersprüchen permanent an den Kopf und vor allem an unser Innerstes geklatscht bekommen.

Heute kann ich da drüber reden, egal ob mit Mann oder mit Frau. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich nicht doch immer wieder überfordert bin oder eine klare Definition von dem hätte, was ich da tue.

Natürlich rede ich, zum Glück, nicht für alle – aber wir wachsen oft immer noch ziemlich alleine gelassen auf und müssen selber herausfinden, wie das so funktioniert mit den Mädels und Frauen.

Wenn ich versuche mir vorzustellen, was aus mir geworden wäre, wenn da noch weniger Menschen gewesen wären, die einem an die Hand nehmen und den Weg weisen, dann ist Volldepp gar nicht mal so weit weg.

Ja, ich will alles ficken, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Hey, ich klettere auch auf alle die Bäume, keine Frage. Im Alter lässt das etwas nach und der Sand wird etwas feiner – aber das, was das auslöst und antreibt, das ist und bleibt da.

Bring das mal in einem Vakuum unter einen Hut mit all den Erwartungen, Widersprüchen, der Doppelmoral und den vielen erhobenen Zeigefingern.

Zu plump? Wirklich?

Was würde ich dafür geben, wenn ich heute noch mal mein Gesicht von dem Augenblick sehen könnte, in dem ich endlich kapiert habe, dass ihr (Mädels/Frauen) nicht wirklich anders seid. Also bei den Bedürfnissen. Nur beim Umgang damit unterscheiden wir uns dann doch ab und an bis gewaltig; halt weniger plump.

Ein lecker Törtchen ist ein lecker Törtchen ist ein lecker Törtchen …

Diese Unterschiede muss man aber erst einmal erkennen und verstehen, die muss man erst einmal beigebracht bekommen.

Das geht nicht in einem Vakuum. Und geschieht dies nur zur Ungenüge, dann winkt da schon der Volldepp in der Ferne und wenn da noch so ein paar andere Umstände nicht stimmen, dann ist es bis zum Arschloch auch nicht mehr wirklich weit.

Und dann passiert etwas, was so dermaßen logisch ist und dennoch immer wieder übersehen wird. Das ist wie mit den Trollen: Mit Abstand verstehen wir das und fallen dennoch immer wieder auf die Schnauze, wenn wir mittendrin stecken.

Wenn ich schon ein halber Volldepp bin und nur deppige Wege kenne, etwas gegen meine Unterfickung zu tun – was für Typen an Frauen werde ich denn dann abbekommen? Und was lerne ich daraus?

Da ist das 10-Meter-Turm-Springen in weniger putzig bis unbefriedigend und traurig; oder gar gefährlich.

Und wir – also ich, mit euch – reden immer noch nur über die simples bis plumpen Dinge. Zum richtigen Trauerspiel wird das dann, wenn wir gegenseitiges Verständnis bei viel, viel sensibleren Themen, wie Vertrauen, Bindung, Beziehung und dergleichen, aufbringen müssen, ohne es jemals wirklich gelernt zu haben.

Das kann doch nicht gut gehen.

Nochmal, weil es so immens wichtig ist: Es geht nicht um Schuld oder Ausreden. Es geht um die Frage, warum es immer noch so dermaßen viele Jungs und Männer gibt, die im Umgang mit Mädels und Frauen so dermaßen versagen.

Meiner Meinung nach ist ein nicht unwesentlicher Grund, dass wir damit immer noch viel zu alleine gelassen werden und die Widersprüche immer noch viel zu groß sind, sie ja sogar noch immer weiter und immer schneller wachsen.

Wir mussten uns, damals ™, unsere Pornos und VHS Kassetten noch zusammenklauen und zusammenfinden und heute tummeln sich die Mädels und Frauen, die ihre Brüste, Hüften und Ärsche als Avatar zur Schau tragen nur so in meiner Timeline und vor lauter Videos komme ich gar nicht mehr zum Arbeiten.

Aber ich muss unterscheiden können, dass es vollkommen OK ist, dass ich all diese Titten und Ärsche ins Gesicht gestreckt bekomme, dass es vollkommen OK ist, wenn diese Mädels und Frauen vom Ficken und Blasen tweeten – ich ihnen aber nicht hinterher pfeifen oder ihnen Komplimente zu Ihrem Arsch machen darf.

Es sei denn …

Es sei denn was? Wie und von wem lerne ich denn diese feinen Unterschiede? Mit wem unterhalte ich mich darüber, wenn ich in dem Alter bin, in dem ich mir noch dreißig mal am Tag einen runter holen muss – oder kann; schließlich ist ja immer alles eine Frage des Blickwinkels.

Wir müssen immer mehr und noch mehr und wer ist da, uns das Mehr beizubringen? Gibt es da überhaupt irgendwelche geeigneten Vorbilder, die dem stetig wachsenden Anforderungskatalog gerecht werden können? Und die ganzen alten Erwartungen sind dennoch immer noch da, lauern über unseren Schultern und schauen uns kritisch an, wenn wir versuchen, dem vermeintlichen neuen Bild vom Mann gerecht zu werden. Und mehr Sex beschert es uns dann leider allzuoft trotzdem nicht.

Ja danke auch!

Humor, Baby! Eigenironie und nicht immer alles so bierernst nehmen. Hilft! Doch, wirklich!

Muss man aber auch erst einmal lernen. Und das lernt sich immer noch am Besten zusammen. Doch, wirklich!

Denn genau dieses Zusammen ist das eigentliche Problem. Und die Lösung; wie immer. Auch wenn es oft nicht so aussieht, eigentlich wollen wir das Selbe. Nur unsere Wege dahin könnten oft unterschiedlicher nicht sein. Ist schon erstaunlich, wie oft wir uns auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel so dermaßen oft die eigenen Steine und Beine in den Weg schmeißen und stellen.

Weil wir nicht miteinander reden. Und damit meine ich nicht Monologe, die sich als Dialoge verkleiden. Ich meine wirkliches Reden; Reden nach Tacheles. Man muss die Dinge aussprechen, man muss die Dinge beim Namen nennen. Frau auch.

Zum Beispiel darüber, dass es eben nicht Alles jederzeit und sofort gibt, auch wenn uns permanent das Gegenteil suggeriert wird. Aber auch darüber, dass, wenn man nur aufhört den anderen permanent ihren Sex und ihre Beziehungen zu neiden und sich stattdessen darauf konzentriert, den Sex und die Beziehungen zu bekommen, die man verdient hat und die man will, man allen Beteiligten einen so verdammt riesengroßen Gefallen tut.

Und wir müssen auch darüber reden, wie schlimm es ist, wenn Männer erst im mehr oder minder hohen Alter mühsam erlernen müssen, sich über so wichtige Dinge auch gescheit austauschen zu können. Das zu können, würde die Oberdeppen- und Arschlochrate so dermaßen verringern, es wäre traumhaft für euch Mädels.

Und wo wir, schließlich hocken wir zusammen in diesem Schlamassel, gerade dabei sind: Man kann die vielen Frösche dieser Welt auch etwas netter abblitzen lassen. Die Chance, dass diese gleich ganz anders auf die nächste Frau zugehen, ist so unglaublich hoch, dass es sich wirklich lohnt. Doch echt! Ich Frosch weiß, wovon ich rede.

Und der allergrößte Vorteil davon, ein paar mehr Männer mit 'Frauenverständnis' in der der Welt zu haben, ist auch wieder so dermaßen simpel und logisch, dass wir ihn auch jeden Tag aufs Neue übersehen: Es wird enger für die Volldeppen und Arschlöcher dieser Welt.

Es ist nicht mit einem verpuffendem 'Aufschrei' getan. Wir sind jetzt lange genug mit unseren stetig wachsenden Anforderungen und der immer lauter werdenden Kritik alleine gelassen worden. Die kann noch so berechtigt sein, es wird sich nicht viel ändern, wenn wir da weiter zuhauf in unserem Vakuum hocken gelassen werden.

Es ist nicht schön dort. Es macht auf Dauer keinen Spaß. Es macht einsam und permanentes Rätselraten stumpft ab und fördert die falschen Verhaltensweisen. Und dennoch tun wir uns und unseren Kindern das immer noch tagtäglich an.

Von den ewigen Deppen und Arschlöchern und Volldeppen mal abgesehen, die allermeisten wollen wachsen, wollen lernen und wollen sich in ihrer Haut wohl fühlen; völlig unabhängig von Geschlecht und Herkunft.

Und es ist unglaublich, was für tollen Sex und was für tolle Beziehungen und Freundschaften man haben kann, wenn man sich nur ab und an gegenseitig daran erinnert …